Ein Tierschutzhund zieht ein

Ein Tierschutzhund zieht ein

Alltag mit Herausforderungen und Überraschungen

Die Vorfreude ist groß! Du möchtest einem Hund aus dem Tierschutz ein neues zuhause geben. Gerade Ersthundebesitzer stellt die Auswahl eines geeigneten Vierbeiners vor große Herausforderungen. Tierheime und Tierschutzvereine sind voll mit Hunden jeden Alters, unterschiedlichster Rassen und Charaktere. Jeder Hund bringt seine eigene Geschichte mit und kommt daher mit einem voll gepackten Rucksack an Erfahrungen zu Dir.

Wie sich diese auf euer Zusammenleben und das Verhalten des Hundes auswirken, lässt sich im Vorfeld nicht sagen. Von niemandem. Hunde verhalten sich im Tierheim oft anders als zuhause – nur weil ein Hund im Zwinger viel bellt, heißt es nicht, dass er das auch zuhause macht. Dennoch gibt es Rassen, die bellfreudiger sind als andere. Genauso wie jene, die es lieber gemütlich haben und jene, die für jede Sporteinheit zu begeistern sind.

Nur weil ein Hund mit anderen Hunden im Shelter oder auf einer Pflegestelle gelebt hat, bedeutet es noch lange nicht, dass er beim Spaziergang mit fremden Artgenossen klar kommt.

Es gibt Hunde, die wirklich Schlimmes erlebt haben und sich nicht vor die Haustüre trauen, dann gibt es Hunde, die aufgrund ihrer Vorerfahrungen aggressiv auf Umwelt, Mensch oder Tier reagieren und dann gibt es auch Hunde, die einfach nur im Hier und Jetzt leben und ihre Vergangenheit bereits vergessen haben.

Deine Entscheidung für den richtigen Hund sollte keinesfalls aus Mitleid getroffen werden und auch nicht aufgrund der Optik. Viel wichtiger ist es, deinen neuen Wegbegleiter mit Bedacht auszuwählen, rassetypische Bedürfnisse zu beachten, deine Lebenssituation und deine Möglichkeiten miteinzuplanen und dir bewusst sein, dass dein Hund anfangs mitunter mehr Unterstützung und Zeit braucht. Mitunter Wochen oder sogar Monate. 

Lies gerne meinen Artikel: Tierschutzhunde verstehen

Tierschutzhund: Nicht geliefert, wie bestellt

Durch meine ehrenamtliche Arbeit im Tierheim bringe ich viel Erfahrung mit, einerseits was Hunde und deren Verhalten angeht, aber auch was Adoptanten an Vorstellungen und (hohe) Erwartungen haben.

Meinen eigenen Tierschutzhund habe ich nicht vom Fleck weg adoptiert, sondern langsam kennengelernt – und er ist ganz anders, als der Hund, den ich mir immer ausgemalt habe. Adoptiert habe ich ihn mit 7 Jahren, zuvor kannte er nur Kette oder Zwinger. Mitgenommen in sein neues zuhause hat er eine Leinenaggression und die Warnung vom Tierheim, dass er meine Katzen “auffressen würde”.

Die Leinenaggression gegenüber fremden Artgenossen ist geblieben, mit den Katzen versteht er sich nach intensivem Training super. Hinzugekommen sind jedoch im Laufe der ersten Monate Panikattacken, chronischer Stress, Geräuschängste, körperliche Baustellen (Gelenke, Magen), nicht alleine bleiben können und völlige Reizüberflutung in unserem (ohnehin beschaulichen) Alltag.

Heute habe ich also einen traumatisierten, psychisch und körperlich kranken Hund an meiner Seite. War das so geplant? Natürlich nicht. Habe ich das wissen können? Jein. Wie sich seine Vergangenheit in jahrelanger Isolation, mit Gewalt und fehlender Sozialisierung auf unser Leben auswirkt, konnte man nur erahnen. Und hoffen, dass es nicht so schlimm wird. Nun leben wir schon fast 3 Jahre zusammen und ich kann sagen, die ersten 2 Jahre waren extrem anstrengend, nervenraubend und intensiv.

Denn um an all diesen Themen zu arbeiten, benötigt es Empathie, Zeit (viel Zeit), Geduld (viel Geduld), modernes Hundewissen,  aber auch die finanziellen Mittel für diverse Behandlungen, professionelle Unterstützung (ja, auch ich suche Rat bei erfahrenen Kollegen, wenn ich nicht mehr weiter weiß oder einen Blick von außen haben möchte) und Weiterbildung.

Lies gerne meinen Artikel: Hallo, ich bin Happy!

Mit dem Einzug eines Tierschutzhundes mit unbekannter Vergangenheit kommen mitunter jede Menge Herausforderungen auf dich zu, mit denen du nicht gerechnet hast und die keiner vorhersehen kann. Je besser du vorbereitet bist, je mehr Wissen du hast und je weniger Druck du deinem Hund machst, desto entspannter wird der Einzug für alle Familienmitglieder.

Dein Hund kommt in ein für ihn völlig unbekanntes Umfeld. Dass es hier jeder nur gut mit ihm meint und das Beste für ihn will, muss er erst lernen. Er hat zu dem Zeitpunkt, wo er bei Dir einzieht, alles verloren – alle Menschen, die er bis dato kannte, Hundekumpels, mit denen er zusammen war sowie seine gewohnte Umgebung.

Auch, wenn das Leben im Ausland, im Shelter oder auf der Straße nicht schön war, es war dennoch das Leben deines Hundes. Das Leben, das er gekannt hat. Das Leben, dass ihm Strukturen gegeben hat. Und die sind mit dem Umzug zu dir auf einen Schlag weg.

Was dein Tierschutzhund braucht – und was nicht

Möglicherweise hatte Dein Tierschutzhund keine schöne Vergangenheit oder einen unglücklichen Start in sein Hundeleben. Gerade diese Hunde brauchen oft mehr Zeit zum Eingewöhnen, weil sie ängstlich oder unsicher sind oder in der Vergangenheit gelernt haben, sich mit aggressiven Verhaltensweisen unerwünschte Personen und/oder Hunde vom Leib zu halten.

Egal, wie überfordert oder verzweifelt du bist, folgende Empfehlungen aus meiner Praxis solltest du auf jeden Fall berücksichtigen:

  • Gib deinem Tierschutzhund Zeit: Dein Hund macht nichts, weil er dir etwas auswischen will, der Chef sein will, dich kontrollieren will oder dominant ist. Er findet sich aus diversen Gründen in deinem Alltag noch nicht gut zurecht. Im Durchschnitt brauchen Tierschutzhunde ca. 6 Monate, um wirklich anzukommen. Das ist aber auch jene Zeit,in der nach und nach unerwünschte Verhaltensweisen entstehen, weil dein Hund nicht optimal in der Eingewöhnung unterstützt wird. 2 Wochen Urlaub und dann wieder in deinen Alltag zurückzukehren, kann für viele Hunde überfordernd sein.
  • Erwarte nichts: Das Wichtigste ist, dass dein Hund einmal ankommen darf und Dein bzw. sein neues Leben in seinem Tempo kennenlernen darf. Leine, Brustgeschirr, Autofahren, Alleine bleiben, Kinder, Fahrradfahrer – all das kennt dein Tierschutzhund nicht.Du musst nichts überstürzen und auch nichts aufholen. Hunde lernen ein Leben lang und jeden Tag (nicht nur in den ersten 12 Wochen). Achte auf sein Wohlbefinden, versuche Stress zu vermeiden oder zu reduzieren, sei empathisch und sehe Deinen Hund als gleichwertiges Familienmitglied. Alles andere kommt dann mit der Zeit bzw. bringt positives Training sowie der bedürfnisorientierer Umgang mit sich.
  • Einzelcoaching statt Gruppenkurs: Der klassische Gruppenkurs für zB Grundgehorsam oder Leinenführigkeit ist gerade zu Beginn nicht die richtige Wahl. Wenn der Hund noch zu gestresst ist, noch nicht angekommen ist oder andere Baustelen hat, muss vorher an der Basis gearbeitet werden (Stressmanagement, Gesundheit, Wohlbefinden, Sicherheit im Alltag bekommen etc.) – und zwar individuell. Was für Hund A gilt, muß nicht für Hund B gelten.
  • Hände weg von aversivem Hundetraining: Nicht nur bei Tierschutzhunden, aber vor allem bei denen, die bereits einen schlechten Start ins Leben hatten und harte Zeiten hinter sich haben. Sie haben es nicht verdient, für vermeintlich unerwünschtes Verhalten angeschrien, bestraft und gehemmt zu werden. Oft passiert das leider auch mit gewaltsamen Methoden (Zum Blog: Gewalt im Hundetraining). Es gilt immer, die Ursache für unerwünschtes Verhalten herauszufinden, denn das ist die Wurzel allen Übels. Verhalten zu unterbinden sieht zwar anfangs “erfolgreich” aus, macht aber etwas mit den Emotionen eures Hundes und wirkt sich negativ auf die Mensch-Hund-Bindung aus. Vertrauen zu euch wird der Hund dadurch sicher nicht aufbauen.

Tierschutzhunde brauchen Verständnis, Zeit, Geduld & modernes Trainingswissen

Wenn du dich für einen Tierschutzhund interessiert, egal ob aus dem In- oder Ausland oder einen Second Hand Hund (ein Hund, der bereits eine oder mehrere Stationen hinter sich hat), solltest du dich bereits im Vorfeld möglichst gut informieren und vorbereiten. Leider mache ich in den Beratungen immer wieder die Erfahrung, dass Adoptionen blauäugig und vorschnell gemacht werden, ohne sich der möglichen Konsequenzen bewusst zu sein. Und dann leidet nicht nur der Hund, sondern das gesamte Lebensumfeld des Hundes.  

Die Anpassung deines Tierschutzhundes an seine neue, fremde Welt braucht Zeit und Geduld. Und bringt in den meisten Fällen massive Einschränkungen im Alltag der Bezugspersonen mit sich. Wenn du darauf vorbereitet bist, die zeitlichen und finanziellen Mittel aufbringen kannst und ein Netzwerk an professionellen Beratern und Therapeuten an deiner Seite hast, bist du auf jeden Fall gut vorbereitet. Zu wissen, was man vermeiden sollte und wie Du Deinem Hund die erste Phase des Kennenlernens möglichst angenehm gestaltest, erspart Dir und Deinem Hund jede Menge Stress, Ärger und Frust. Wünscht Du Dir nicht auch, von Anfang an alles richtig zu machen?

Daniela Loibl MBA MSc

Daniela Loibl MBA MSc

  • staatlich geprüfte tierschutzqualifizierte Hundetrainerin
  • Hundeverhaltensberaterin
  • verhaltensmedizinische Tierpsychologin iA 
  • zertifizierte Hunde-Ernährungsberaterin
  • ehrenamtliche Hundetrainerin im Tierheim
  • Buchautorin “Fred & Otto, Wanderführer für Hunde”

Hundesprechstunde

Du fragst, ich antworte. Auf alle Fragen, die dir im Zusammenleben, Umgang und Training mit deinem Hund unter den Nägeln brennen. Einfach und umkompliziert über Zoom.

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Es kommt auf deine innere Haltung an

Bindung hier, Bindung dort, Bindung überall. Jeder Hundehalter möchte eine sichere Bindung zu seinem Hund haben und jeder zweite Social Media Hundetrainer wirbt damit. Das scheint mittlerweile das A&O zu sein, wenn man so durch die Hundewelt scrollt. Doch was bedeutet denn eigentlich Bindung? Und wie erreicht man sie?

Vorweg gesagt: Bindung ist nichts, was sich mal schnell mit 1-2 Einheiten trainieren lässt (auch wenn es sehr oft suggeriert wird). Bindung hat auch nichts mit dem Begriff Erziehung und Gehorsam zu tun, wie er allgemein verwendet wird. Bindung ist ein Prozess. Und dieser Prozess basiert zuallererst auf einer guten Vertrauensbasis.

Bindung in einer Beziehung bedeutet:

  • sich aufeinander einzulassen
  • füreinander da zu sein
  • sich zu unterstützen, wenn notwendig
  • aber auch, Selbstwirksamkeit zu ermöglichen und Selbstvertrauen zu geben

… und alleine durch diese Aufzählung müsste jedem klar sein, dass strafbasiertes Training und gewaltsame Trainingsmethoden definitiv nicht, nada, niente, null auf die Bindung einzahlen. Ganz im Gegenteil. Bestrafen vergiftet Beziehungen. Denn im strafbasierten Training wird unerwünschtes Verhalten gehemmt und unterdrückt. Und dabei völlig außen vorgelassen, wie es dem Hund in der Situation geht. Ebenso erlernt der Hund keine alternativen Handlungsstrategien, die eben eine Selbstwirksamkeit ermöglichen. Vertrauensbasis? Empathie? Wertschätzung? Verständnis? Fehlanzeige. Doch das ist der Schlüssel zur Bindung.

Bindung entsteht im Alltag, im täglichen Zusammenleben, im Umgang mit deinem Hund und nicht in einer Trainingseinheit. Für eine sichere Bindung ist deine innere Haltung entscheidend – siehst du den Hund als Befehlsempfänger, der zu tun hat, was du sagst, zeigst du ihm unsanft Grenzen auf und bist der Meinung, dass du der Chef bist und er das zu akzeptieren hat, wird das nichts mit der Bindung. Egal, welche “Bindungsspiele” du ergänzend machst.

Was versteht man unter „Bindung“?

Der Begriff “Bindung” kommt aus der Psychologie und wird seit den 50er Jahren intensiv anhand der Eltern-Kind-Beziehung erforscht. Die Bindungstheorie nach John Bowlby beschreibt, wie sich enge emotionale Bindungen zwischen Kindern und ihren Bezugspersonen entwickeln. Diese Bindungen entstehen durch wiederholte positive Erfahrungen mit fürsorglichem Verhalten der Bezugspersonen und dienen als sichere Basis für die soziale und emotionale Entwicklung des Kindes. 

Bei Bindung unterscheidet man 4 verschiedene Typen:

  • Sichere Bindung
  • Unsicher-vermeidende Bindung
  • Unsicher-ambivalente Bindung
  • Desorganisierte Bindung

Dr. Àdàm Miklòsi, ein international anerkannter Verhaltensbiologe, hat 1998 in einem umfangreichen Test bestätigt, dass das Grundbedürfnis nach sicheren sozialen Beziehungen bei Hund und Mensch gleich gelagert ist.

Die Bindungsbereitschaft des Hundes beginnt mit der Trennung von seiner Mutter und dem natürlichen Bedürfnis nach Schutz. Damit eine Bindung zum Menschen entstehen kann, ist es essentiell, dass der Hund in seiner sensiblen Phase (bis zur 13. Lebenswoche) mit Menschen sozialisiert wurde. Dazu später mehr.

Bindung hat für unsere Hunde demnach zweierlei Funktion:

  • Sei der sichere Hafen für deinen Hund:
    Bei Stress und Bedrohung hast du als Bindungspartner eine Sicherheitsfunktion für deinen Hund. Er kommt zu dir zurück, wenn er sich nicht mehr wohl fühlt und versucht, seine Überforderung zu regulieren. Unterstütze deinen Hund, wenn er Hilfe braucht und deine Nähe sucht.
  • Sei die sichere Basis für deinen Hund:
    Die Bindungsperson fungiert als sichere Basis, von der aus der Hund seine Umgebung erforschen kann. Unterstütze das Erkundungsverhalten deines Hundes und freue dich mit ihm.

Bindung bei Tierschutzhunden mit Rucksack

Unsere Tierschutzhunde bringen mitunter schon eine Menge an Vorerfahrungen mit ins neue Zuhause oder auch gar keine Erfahrungen – beides erschwert eine sichere Bindung und macht sie manchmal auch unmöglich.

Wenn ein Hund in den ersten 12 Lebenswochen Kontakt mit Menschen hatte, kann Bindung entstehen. Ist bereits eine unsicher-ambivalente Bindung vorhanden und der Hund macht nun weiter positive Bindungserfahrung, kann eine sichere Bindung entstehen. Wurde der Hund sozialisiert, hatte aber bis dato keinen Bindungspartner, ist eine sichere Bindung sehr wohl möglich.

Hat der Hund aber in seinen ersten 12 Lebenswochen gar keinen Menschenkontakt gehabt, ist Bindung unwahrscheinlich. Hat er gelernt, dass Menschen zum sozialen Umfeld gehören, auch wenn er Hofhund, Kettenhund oder Straßenhund war, ist Beziehung möglich, eine sichere Bindung eher unwahrscheinlich.

Die sichere Bindung ist das Maß aller Dinge. Ja, da wollen wir alle hin. Aber wie immer gibt es am Weg ganz nach oben auch Ebenen, die ebenso gut und erstrebenswert sind. Bei Hunden, die bereits einen großen Rucksack mitbringen, schwer mit ihrer Vergangenheit zu kämpfen haben, die wenig Schönes erleben durften, isoliert oder eingesperrt gelebt haben, vielleicht sogar schlechte Erfahrungen mit Menschen machen mussten oder Gewalt erfahren haben, ist eine harmonische Beziehung auf freundschaftlicher Basis Gold wert und ein solides Fundament.

Wenn daraus im Laufe der Zeit Bindung entsteht, ist es der Jackpot. Wenn nicht, bleibt es bei einer Freundschaft auf Augenhöhe und das ist völlig in Ordnung. Wichtig ist nur, dass du deinen Hund respektvoll behandelst. Er hat eine Menge erlebt und möchte sich in unserer Welt zurechtfinden, doch manchmal ist das aufgrund seiner Vergangenheit nicht sofort oder nicht so einfach möglich.

Es geht aber nicht darum, Bindungsklassifikation zu betreiben. Sondern darum, das Zusammenleben und die Beziehung zu deinem Hund auf die maximal mögliche Stufe zu heben.

Nimm den Druck raus und lasse dich von deinem Umfeld, Social Media und Menschen mit viel Meinung aber Null Wissen nicht verunsichern. Jeder Hund, jede Geschichte ist anders und daher sollte auch das Ziel entsprechend realistisch gesteckt werden.

Jedes Mensch-Hund-Team ist individuell

Wie immer in der Analyse von Hundeverhalten müssen wir die individuelle Ausgangssituation beachten und nicht anhand eines einzigen Verhaltens von Bindung oder eben keiner Bindung sprechen oder gar von einem unerzogenen Hund. Die Ursache ist entscheidend für die weitere Entwicklung deines Hundes.

Auch hier möchte ich dich mit meiner eigenen Geschichte motivieren, dranzubleiben, nicht aufzugeben und deinen Hund zu unterstützen – auch wenn es mühsam ist, an deinen Nerven zerrt oder dir langsam die Kraft ausgeht. Die Social Media Hundewelt visualisiert immer die schnelle Lösung, doch die gibt es nicht bzw. wenn, ist sie auf jeden Fall nicht nachhaltig und fair.

Wenn dein Hund zum Beispiel in einer Stresssituation nicht zu dir kommt, sondern wegläuft, wird oft gesagt, dass er keine sichere Bindung hat. Hat dein Hund in dieser Stresssituation aber Panik oder gar Todesangst, funktioniert das Denken bei deinem Hund nicht mehr. Ebenso wenn dein Hund ein Trauma erlitten hat. Der Hund läuft weg, weil er aufgrund seines Ausnahmezustandes gar nicht mehr realisiert, dass ein Bindungspartner in der Nähe ist und Unterstützung bietet – das Verhalten des Hundes hat also per se nichts mit Bindung zu tun. Das kann ich aus eigener Erfahrung mit meinem traumatisierten Hund bestätigen.

Es war ein sehr langer und intensiver Weg für Happy und mich, dass er es schafft, mich in einer Panikreaktion noch wahrzunehmen und Unterstützung anzunehmen. Und glaub mir, für ihn war anfangs alles mit Panik und Flucht verbunden. Es gelingt uns heute – 2,5 Jahre später – immer noch nicht in jeder Situation, abhängig davon, wie stark die Bedrohung und das damit verbundene wieder ausgelöste Trauma ist, aber in vielen Alltagssituationen sind wir auf einem guten Weg und machen Fortschritte. All mein Fachwissen über Bindung nützt mir hier wenig, wenn der Hund mental noch nicht in der Lage ist, meine Unterstützung anzunehmen.

Lies hierzu gerne meine Geschichte: Hallo, ich bin Happy!

Bullshit und Mythen über Bindungsverhalten

Strafbasierte Trainer benutzen neben dem Rudelführerblabla das Wort Bindung gerne als Rechtfertigung bzw. Erklärung für ihre unfairen Methoden gegenüber Hunden. Da kommen so Aussagen wie:

  • “Wenn der Hund jagen geht, hat er keine Bindung zu dir.”
  • “Wenn sich der Hund zu weit von dir entfernt, fehlt die Bindung.”
  • “Wenn der Hund nicht auf den Rückruf hört, hat er keine Bindung.”
  • “Du musst deinen Hund aus der Hand füttern, wegen der Bindung.”
  • “Du musst Bindungsspiele machen. Aber du bestimmst, wann und wie lange gespielt wird.” Wegen der Bindung. Oder dem Rudelführer. Such’s dir aus, auf welcher Bullshit Theorie diese Aussage beruht. Ist beides falsch.

Zeigt dein Hund unerwünschtes Verhalten, wird eben vorschnell der Satz “Dein Hund hat ja gar keine Bindung zu dir” in den Raum geworfen. Praktisch für den Trainer, denn somit liegt die Schuld für hündisches Fehlverhalten definitiv nicht am Training, sondern beim Hund und bei dir als Bezugsperson. Am Ende ist nicht nur der Hund unglücklich, weil er in seinem Verhalten weder verstanden noch unterstützt wird, sondern auch der Halter, der den schwarzen Peter zugeschoben bekommt anstatt Lösungen zu erhalten.

Also zusammengefasst: Alles Mist, verbreitet von Menschen ohne modernem Hundewissen. Verbreitet von Menschen, denen es schnurzpiepegal ist, wie es dem Hund im Alltag geht. Hauptsache der Kunde ist glücklich und der Hund “funktioniert”.

Lies hierzu gerne meinen Artikel: Von Rudelführern & Alphawölfen

Euer Weg zur sicheren Bindung

Der Weg zur tiefen Bindung beginnt mit dem Verständnis für die Persönlichkeit deines Hundes. Jedes Bellen, Winseln, Schwanzwedeln und auch jedes unerwünschte Verhalten ist eine Form der Kommunikation. Anstatt auf Bestrafung zurückzugreifen, sollten wir danach streben, die Bedürfnisse unseres vierbeinigen Begleiters zu verstehen.

Bindung ist keine einmalige Trainingssache, sondern ein lebenslanger Prozess, der sich im Laufe der Zeit entwickelt. Eine gute Beziehung und ein achtsamer Umgang, der deinem Hund Halt und Sicherheit gibt in einer Welt, die ihn mitunter überfordert, in der du sein sicherer Hafen bist, gemeinsame Erlebnisse schaffst – das alles bildet die Grundlage für ein harmonisches Zusammenleben. Und den Nährboden auf dem Bindung entstehen und wachsen kann.

Werde zum verlässlichen und berechenbaren Sozialpartner im Alltag:

  • Sei ein zuverlässiger Ansprechpartner, der Unterstützung und Sicherheit bietet.
  • Die Nähe zu dir muss für deinen Hund mit positiven (!) Emotionen verbunden sein. Also Zuckerbrot und Peitsche (zuerst bestrafen und danach belohnen) ist hier die falsche Herangehensweise.
  • Lerne, die Körpersprache deines Hundes zu lesen. So kannst du angemessen auf Stress-, Konflikt- und Beschwichtigungssignale reagieren.
  • Biete eine sichere Basis für Erkundungsverhalten und lasse dieses auch zu (Freilauf, Schleppleine, Radiuserweiterung anstatt 1,50m Leine, ständiges Abrufen und bei Fuß bleiben).
  • Werde zum sicheren Hafen für deinen Hund, zu dem er jederzeit zurückkehren kann und auch möchte. Ist sich dein Hund nicht sicher, wie du reagieren wirst, wird er sich überlegen, ob er nicht lieber beim Reh bleibt.
  • Ermögliche deinem Hund gemeinsame Kuscheleinheiten oder Kontaktliegen, sofern er dies als angenehm empfindet. Durch die Ausschüttung des Bindungshormons Oxytocin wird zudem automatisch das Stresslevel gesenkt. Praktisch, oder?
  • Beachte, dass Bindung bei Trennung zu Trennungsschmerz führt und du mitunter beim Alleine-bleiben-Training mehr Geduld und Zeit aufbringen musst.
  • Schaffe gemeinsame Erlebnisse, habt Spaß zusammen (!), fordere deinen Hund aber überfordere ihn nicht.
  • Sei berechenbar, unterstützend, empathisch und zuverlässig. Immer. Ein Hundeleben lang.

Die wahre Bindung zwischen Mensch und Hund ist also kein Geheimnis, das durch spezielle Techniken, Gehorsam oder Erziehung erreicht werden kann. Sie ist das Ergebnis von achtsamem, respektvollem und fairem Umgang mit deinem Hund, von Erkennen und Erfüllen seiner Bedürfnisse und Fokussierung auf erwünschtes Verhalten.

Die Zauberformel lautet also: Bedürfnisorientierter, belohnungsbasierter und fairer Umgang mit deinem Hund. Dann klappt’s auch mit der Bindung. Versprochen!

—-

Quellen aus der Verhaltensforschung:

Daniela Loibl MBA MSc

Daniela Loibl MBA MSc

  • staatlich geprüfte tierschutzqualifizierte Hundetrainerin
  • Hundeverhaltensberaterin
  • verhaltensmedizinische Tierpsychologin iA 
  • zertifizierte Hunde-Ernährungsberaterin
  • ehrenamtliche Hundetrainerin im Tierheim
  • Buchautorin “Fred & Otto, Wanderführer für Hunde”

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Ich hasse sie, die Postings in diversen Gruppen wo jeder eine Meinung zu einem Hundethema abgibt. Wirklich jeder. Meist basieren diese Meinungen auf eigener Erfahrung, Hören-Sagen, keiner oder veralteter Ausbildung. Es wird aber leider nie hinterfragt, ob diese Meinung oder Sichtweise noch zeitgemäß ist.

Vor 30 Jahren gab’s kein Internet, kein Facebook und kein Smartphone. Doch wir haben uns alle angepasst und nutzen die neuen Möglichkeiten je nach eigenem Geschmack. Niemand käme mehr auf die Idee, stattdessen Schreibmaschine, Faxgerät und Durchschlagpapier zu verwenden. Wir wissen, dass sich die Erde weiterdreht und wir heute viele Möglichkeiten haben, uns den Alltag leichter und angenehmer zu gestalten. Sogar meine 81-jährige Freundin Sophie nutzt täglich WhatsApp.

Vor 30 Jahren waren militärischer Gehorsam, Unterordnung und Strafe in der Hundeerziehung üblich. Warum Verhalten auftritt, wurde nicht hinterfragt. Nur unterdrückt. Doch in der Hundewissenschaft wurde viel geforscht, wir wissen heute sehr viel über neurobiologische Faktoren, Vorgängen im Hundegehirn und Motivationen für Verhalten. Der Hund ist nicht mehr Befehlsempfänger und Untergebener, sondern ein eigenständiges Lebewesen mit Emotionen, Gefühlen und individuellen Verhaltensweisen … und im Falle von Second Hand Hunden kein unbeschriebenes Blatt, sondern ein Lebewesen mit unbekannten Erfahrungen, die sein Verhalten geprägt haben.

Doch nach wie vor lese und höre ich täglich von Dominanzproblemen, Rudelführer, Alphawolf, Verhalten unterdrücken, den Hund seinen Ängsten aussetzen, da muss der durch, das hat der nicht zu tun, das darf er nicht, du musst der Chef sein, der tanzt dir auf der Nase rum, der muss sich sein Futter verdienen, der hat nicht an der Leine zu pöbeln und und und …

  • Da lese ich von 2 Hunden, die seit Jahren problemlos zusammenleben und nach dem Tod einer Bezugsperson plötzlich beginnen, sich zu bespringen und zu rangeln. Und schon werden die Meinungen laut, dass es sich ganz klar um ein Dominanzproblem handelt und das Verhalten dringend unterbunden werden muss. #wtf
  • Da lese ich von einem Hund, der panische Angst vor Müllautos hat. Der Trainingstipp von vielen mit Meinung aber wenig Wissen oder Pseudo-Trainern – so oft wie möglich den Hund vor’s Müllauto schleifen, dann wird er schon merken, dass ihm nix passiert. #wtf
  • Da höre ich von einem Hund, der nach dem Tod seiner Bezugsperson und Umzug in ein neues Zuhause nun Geräuschängste entwickelt hat. Die Lösung eines aversiv arbeitenden Trainers: Auf den Schießplatz gehen, damit die Geräuschangst geheilt wird. #wtf

Ich frage mich ganz ehrlich, wo der gesunde Menschenverstand geblieben ist bzw. die Empathie für unseren Partner Hund? Man benötigt keine Ausbildung in Hundeverhalten, lediglich Einfühlungsvermögen und Vorstellungskraft, um zu erahnen, dass obige Tipps für die jeweiligen Hunde wahrscheinlich sehr unangenehm sind, um nicht zu sagen, manche sogar in den psychischen Ausnahmezustand bringen.

Alle diese Hunde haben aus unterschiedlichen Gründen ein Problem entwickelt und das nun unerwünschte Verhalten ist die jeweilige Strategie, mit dem Problem umzugehen und uns aufmerksam zu machen, dass hier etwas nicht stimmt. Das ist weder damit gelöst, dass wir dieses Verhalten unterdrücken, ignorieren oder den Hund bis zur Aussichtslosigkeit mit Auslösern konfrontieren.

Warum schafft es die Spezies Mensch nicht, den Umgang mit dem Lebewesen Hund zu hinterfragen und auf den neuesten Stand zu bringen? Mir persönlich wurde auch nicht die moderne Hundewissenschaft in die Wiege gelegt, aber ich habe mich weiterentwickelt, weitergebildet und meinen Umgang mit Hunden und Lebewesen allgemein hinterfragt und angepasst. Und zwar für den Hund positiv angepasst.

Verhalten hat immer einen Grund

Die Frage nach dem „Warum?“ ist essentiell

In der Verhaltensberatung geht es immer darum, Gründe bzw. Ursachen für unerwünschte Verhaltensweisen zu finden. Warum? Nur wenn wir an der Ursache arbeiten, wird sich langfristig und vor allem nachhaltig eine Verhaltensänderung einstellen. Alles andere ist reine Symptombekämpfung und löst nur das Problem der Bezugsperson, indem das Verhalten nicht mehr auftritt bzw. zu sehen ist.

Das Problem deines Hundes ist nach wie vor vorhanden, er darf jedoch nicht mehr zeigen, dass er ein Problem hat und muss das (unerwünschte) Verhalten daher unterdrücken. Aber sein Problem ist nach wie vor da. Es brodelt innerlich. Und wird sich früher oder später in einem anderen unerwünschten Verhalten äußern oder er wird aufgeben, weil es aussichtslos geworden ist. Beides sehr unangenehm für den Hund.

Die Dominanztheorie ist übrigens der größte Mist, der nach wie vor fleißig verbreitet und geteilt wird. Auf sie gehen alle Aussagen in Richtung Rudelführer, Alpha, Chefrolle etc. zurück und bilden den Freifahrtschein für strafbasierten und teils gewaltsamen Umgang mit Hund. Übrigens tierschutzrechtlich verboten, ebenso wie Flooding (=den Hund solange mit seinen Ängsten konfrontieren, bis er innerlich aufgibt). Doch wie so oft in Österreich ist auch das Tierschutzgesetz nur ein beschriebenes Blatt Papier und der Hund eine Sache.

Lies hierzu gerne meine Blogartikel: Von Rudelführern und Alphawölfen

Es liegt an dir, wie du mit deinem Hund umgehen möchtest. Du musst dafür keine Ausbildung machen, aber es war noch nie so einfach wie heute, sich einen Überblick über moderne Hundeerziehung und gewaltfreie Trainingsmethoden zu verschaffen. Glaube nicht alles, was du hörst, auch wenn es ein Trainer sagt. Wenn ein Trainingstipp nur darauf abzielt, Verhalten zu unterdrücken und somit unsichtbar zu machen, kannst du davon ausgehen, dass es sich hier um veraltete Methoden handelt, die garantiert nicht hundefreundlich sind.

Sobald die Menschheit endlich versteht, dass ein Hund kein Kommandoempfänger ist und sich dem Menschen zu fügen hat, sondern ein Lebewesen mit Gefühlen, Ängsten und Bedürfnissen ist, wird es auch weniger Probleme geben. Versprochen!

Daniela Loibl MBA MSc

Daniela Loibl MBA MSc

  • staatlich geprüfte tierschutzqualifizierte Hundetrainerin
  • Hundeverhaltensberaterin iA
  • verhaltensmedizinische Tierpsychologin iA
  • zertifizierte Hunde-Ernährungsberaterin
  • ehrenamtliche Hundetrainerin im Tierheim
  • Buchautorin “Fred & Otto, Wanderführer für Hunde”

Hundesprechstunde

Du fragst, ich antworte. Auf alle Fragen, die dir im Zusammenleben, Umgang und Training mit deinem Hund unter den Nägeln brennen. Einfach und umkompliziert über Zoom.

Hundeverhalten verstehen lernen

Unerwünschtes Verhalten resultiert aus unerfüllten Bedürfnissen. Welche das in eurem Fall sind, werden wir gemeinsam herausfinden. Am Ende wirst du deinen Hund und sein Verhalten besser verstehen.

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Aggressionsverhalten einfach erklärt

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Happy, der ProblemHund

Vor Kurzem bekam ich eine Anfrage von einer Dame, die sich Unterstützung bei ihrem rumänischen Straßenhund wünscht. Wir haben ein bisschen geplaudert, wo denn ihre Herausforderungen liegen und dann sagt sie plötzlich: “Du hast ja auch einen Problemhund!”. Mh, da war ich kurz mal still. Aber ich weiß natürlich, wie die Dame das gemeint hat – denn ich habe nach unserem kurzen Gespräch schon herausgehört, dass sie sehr wohl weiß, warum ihr Hund große Schwierigkeiten mit Artgenossen hat – und ihn nicht vorschnell als aggressiven Kerl und somit Problemhund aus dem Tierschutz abstempelt.  Sie hat sich sehr viel damit beschäftigt, woher ihr Hund kommt und weiß, dass seine Vergangenheit und seine bisherigen Erfahrungen Auswirkungen auf sein heutiges Leben und Verhalten haben. Und sie ihm helfen muss, in seinem neuen Leben gut zurechtzukommen.

Aber die anderen Menschen, die diesen Hund als “Problemhund” abstempeln, nur weil er eine Verhaltensweise zeigt, die Fremde als unerzogen quittieren – die Nachbarn, die Passanten, die Hundehalter am Gassiweg – die kennen die Geschichte dieses Hundes natürlich nicht. Und sehr schnell wird ein Hund, der an der Leine pöbelt, Menschen anknurrt oder sein Spielzeug verteidigt als aggressiv, unerzogen oder Problemhund abgestempelt. Kommt er noch dazu aus dem Auslandstierschutz, ist für die meisten die Sache klar. 

Öl ins Feuer gießen dann auch noch die zahlreichen strafbasierten Hundetrainer, die nach wie vor auf veraltete Theorien vom Rudelführer bestehen und damit eine gewaltsame und aversive Umgangsweise mit unserem Fellfreund rechtfertigen – denn die braucht ein “Problemhund” ja angeblich. Dass das Quatsch ist und dir und deinem Hund noch mehr Probleme macht, sieht der verzweifelte Hundehalter nicht.

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Der Mythos des Problemhundes

Ein Wort, das den Blick auf Verhalten nimmt und Gewalt rechtfertigt

Was ist denn eigentlich ein “Problemhund”? Wer stellt denn die Regelung auf, einen Hund als solchen zu bezeichnen? Nun, die Erfahrung zeigt mir, dass eigentlich jeder Hund, der nicht dem von der Gesellschaft festgelegten Standard von gut erzogen entspricht, schnell als Problemhund abgestempelt wird.

Vor allem jedoch trifft es jene, die zu Aggressionsverhalten neigen – sei es jetzt ein Leinenrambo, ein Hund, der Menschen anknurrt oder anbellt, ein Hund der sein Futter oder sei Spielzeug verteidigt oder ein Hund, der niemanden beim Gartentor hineinlässt. Die Liste ist lang. Sobald der Hund nicht in das vom Menschen aufgestellte Schema passt und unauffällig überall mit hin spaziert, zu allem und jedem freundlich ist und alles mit sich machen lässt, wird er zum Problem – und zwar für den Halter.

Dabei ist es genau der Hund, der ein Problem hat: Ein Problem mit Menschen, die er bedrohlich findet. Ein Problem mit Artgenossen, die ihm zu nahe kommen. Ein Problem mit dem Briefträger, der täglich sein Territorium betritt. Ein Problem mit seiner Bezugsperson, die ihm einfach sein Futter wegnimmt. Der Hund fühlt sich bedroht und antwortet – aufgrund seiner Erfahrungen – mit Aggressionsverhalten, um die Bedrohung von sich fernzuhalten. Und das funktioniert ja in den meisten Fällen, da sich der andere Mensch oder Hund dann nicht mehr nähert. Dein Hund hat also eine Strategie, wie er mit einer Bedrohung umgeht – eine Lösung für sein Problem. Es liegt nun an dir als Halter und uns als Trainer, deinem Hund eine andere, bessere Strategie beizubringen. Wir wollen ja erreichen, dass sich dein Hund erst gar nicht mehr bedroht fühlt, dass er gar keinen Grund hat, sich selbst oder etwas verteidigen zu müssen.

Zusammengefasst lässt sich also festhalten: Aggressionsverhalten tritt auf, wenn sich ein Hund gegen eine Bedrohung wehren möchte oder eine für ihn wichtige Ressource sichern möchte. Demnach ist dein Hund kein Problem, sondern er HAT ein Problem. Und das gilt es zu lösen, denn nur dann muss dein Hund nicht mehr mit Aggressionsverhalten antworten.

Aggression beim Hund ist Normalverhalten

Wie Hunde kommunizieren, wenn sie nicht unterstützt werden

Aggressionsverhalten bei Hunden bezieht sich eben auf Verhaltensweisen, bei denen ein Hund droht, knurrt, vorspringt, schnappt oder beißt, um sich selbst, sein Territorium, Ressourcen oder andere Individuen zu verteidigen. Das Ziel von Aggressionsverhalten ist Distanzvergrößerung zur Bedrohung zu erreichen.

Der Begriff „Der aggressive Hund“ ist also schon per se falsch, da es nicht „… diese eine Aggression…“ gibt, von der immer alle mit Meinung sprechen. Im Rahmen von Aggressionsverhalten – also hündischer Kommunikation –  gibt es eine breite Palette an Verhaltensweisen, die gezeigt werden – und zwar je nach Art der Bedrohung und je nach Lernerfahrung entsprechend stark.

Du erkennst an der Körpersprache deines Hundes die Stufen bis zur Attacke. Dafür muss der Hundemensch jedoch die Körpersprache lesen können – eines der häufigsten Mankos, die ich im Trainingsalltag erlebe. So viele Situationen würden sich von Beginn an besser lösen lassen, wenn der Mensch am Ende der Leine auf die (oftmals feinen) Signale seines Hundes achten würde und bereits auf die ersten Konfliktzeichen entsprechend reagiert. Oder das Gegenüber mit dem Tut-nix Hund erkennt, dass sich unser Hund unwohl fühlt und ausnahmsweise nicht ungefragt in uns reindonnert, sondern einen großzügigen Bogen macht und uns dabei ein freundliches Lächeln schenkt (… ich weiß, ich bin ein unverbesserlicher Optimist …)

Es gibt nicht nur verschiedene Ausdrucksweisen von Aggressionsverhalten sondern auch verschiedene Gründe, warum Aggressionsverhalten gezeigt wird:

  • Territoriale Aggression: Der Hund verteidigt sein Territorium, sei es das Zuhause oder andere Orte, die er als sein Revier betrachtet.
  • Ressourcenverteidigende Aggression: Der Hund zeigt aggressives Verhalten, wenn es um Ressourcen wie Futter, Spielzeug oder Liegeplätze geht. Er möchte diese Ressourcen für sich behalten und verteidigen.
  • Aggression aus Angst oder Unsicherheit: Der Hund reagiert aggressiv auf Situationen oder Reize, die er als bedrohlich empfindet. Diese Aggression kann als Schutzmechanismus dienen, um sich selbst zu verteidigen.
  • Aggression aufgrund von Frustration: Wenn ein Hund frustriert ist, beispielsweise weil er nicht zu einem bestimmten Ziel gelangen kann, kann er sein Verhalten in Aggression umleiten.

Aggression ist ein normales Verhalten bei Hunden, kann jedoch problematisch werden, wenn es übermäßig oder unangemessen ausgeübt wird. Um Verhalten richtig einordnen zu können und die geeignete Trainingsstrategie zu wählen, gilt es unbedingt zu unterscheiden, ob es sich um echtes Problemverhalten oder lediglich unerwünschtes Verhalten handelt. Zudem ist es essentiell herauszufinden, warum der Hund dieses Verhalten zeigt. Sehr oft ist es der Mensch, der den Hund in bedrohliche Situationen bringt oder ihm durch unachtsames Verhalten lernt, dass er auf Dinge, die ihm wichtig sind, gut aufpassen muss.

– unerwünschte Verhaltensweisen: Von diesen gibt es zahlreiche, werden sie doch vom jeweiligen Hundehalter und/oder der Gesellschaft aufgestellt. Es zählt zum Normalverhalten von Hunden, wird aber vom Menschen als störend oder unangemessen empfunden.

– tatsächliches Problemverhalten: Auch diese Verhaltensweisen zählen zum Normalverhalten von Hunden, diesem Verhalten liegt aber eine massive Belastung auf körperlicher und/oder psychischer Art zugrunde. Hierbei handelt es sich großteils um massives Aggressions- oder Angstverhalten.

    Futterbelohnung im Hundetraining

    Hundeverhalten verstehen

    Frage immer nach dem „Warum?“

    Die Unterscheidung zwischen unerwünschtem Verhalten und Problemverhalten ist also essentiell, um angemessene Lösungsansätze auszuwählen. Wenn ein Hund Besucher an der Türe über den Haufen rennt, weil er mit der Begrüssungssituation überfordert ist, sieht das Training anders aus als bei einem Hund, der zu territorialer Verteidigung neigt und auf Besucher hinstürzt, um sein zu Hause zu sichern. Bei beiden Verhaltensweisen steckt jeweils ein anderes Bedürfnis hinter dem Verhalten – und das gilt es mit einzubeziehen. Denn sonst wird man keine nachhaltige Verhaltensänderung schaffen. Der vielgenannte Tipp „Schick ihn auf seinen Platz und dort hat er zu bleiben“ zählt wieder nur zu „Verhalten unterdrücken“ und birgt für mich v.a. im Falle des Territorialverhaltens Explosionsgefahr. Dein Hund lernt nicht, Besuch in seinem zu Hause zu tolerieren, sondern unterdrückt nur sein Bedürfnis nach Vertreibung des Besuchers.

    Unerwünschte Verhaltensweisen sind mit gutem und positiven Training oft schnell in die richtigen Bahnen umgelenkt, ohne den Hund dabei zu strafen oder zu hemmen. Man lernt ihm ein erwünschtes Alternativverhalten, bei dem er sich wohlfühlt und motiviert ist. Wohingegen es bei Problemverhalten einer tiefer gehenden Verhaltensanalyse bedarf, um die Ursachen zu verstehen, geeignete Mangementmaßnahmen zu ergreifen und kleinschrittiges (!) Training aufzubauen. Das lernst du nicht in der Hundeschule, denn die Trainingsschritte hierfür sind individuell und müssen auf dich, deinen Hund, die gezeigten Verhaltensweisen und euer Lebensumfeld abgestimmt werden.

    Die Gründe für Aggressionsverhalten sind vielfältig und oftmals nicht auf den ersten Blick ersichtlich.

    • Lernerfahrungen im Welpen- und Junghundealter: Junge Hunde lernen besonders schnell. Allerdings festigen sich auch negative Erfahrungen in diesem Alter besonders schnell. In Bezug auf Artgenossen vor allem jene in schlecht geführten Welpenspielgruppen oder das klassische „Die machen das schon unter sich aus“ in der Hundefreilaufzone.
    • Krankheit und Schmerzen: Vorrangig geht es hier um Schmerzen im Bewegungsapparat, Magen/Darm Beschwerden oder hormonelle Ursachen. Wobei die Definition von Schmerz von „gelegentlichem Unwohlsein“ bis hin zu „chronischen Schmerzen“ reicht. Zwickts irgendwo, ist der Hund nicht in der Lage, angemessen zu reagieren. Aus Angst vor weiteren Schmerzen, zB durch ein wildes Spiel mit einem Artgenossen, zeigt er Aggressionsverhalten, um sich den Kollegen vom Hals zu halten.
    • Aversiver Umgang bzw. strafbasiertes Training: Aversiver, also gewaltsamer Umgang, fördert Aggressionsverhalten. Für einen empathischen Menschen ganz klar: „Gewalt erzeugt Gegengewalt“ und kann niemals die Lösung sein.  Strafbasiertes Training unterdrückt Verhalten, anstatt an der Ursache zu arbeiten. Vergleichbar mit einem Druckkochtopf, wo man den Deckel so lange wie möglich draufhält – doch irgendwann werde ich dem Druck nicht mehr standhalten und der Kochtopf aka der Hund wird explodieren.
    • Vorerfahrungen und erlernte Strategien: Gerade bei Tierschutzhunden oder Second Hand Hunden weiß man nicht, welche Erfahrungen und angelernte Strategien sie bereits mitbringen. Oftmals blieb ihnen in ihrem früheren Leben nichts anderes übrig, als sich selbst zu verteidigen – gegen Menschen, die es nicht gut gemeint haben mit ihnen, gegen Artgenossen, die ihnen Futter oder den Liegeplatz streitig machen wollten.
    • Traumata und psychische Erkrankungen: Ein traumatisches Erlebnis bringt den Hund an seine Belastungsgrenze und hinterlässt Spuren. Das Stress-System dieses Hundes ist ab sofort dauerhaft alarmiert und in Bereitschaft (über) zu reagieren. Diese Tatsache lässt den Hund in stressigen, bedrohlichen oder beängstigenden Situationen keine klugen Entscheidungen treffen. Er reagiert auf Bedrohungen häufig mit heftigem Aggressionsverhalten oder massivem Angstverhalten.

    Wer bis hierher gelesen hat, wird mir hoffentlich zustimmen, dass für eine Verhaltenstherapie eines „Problemhundes“ oder eines Hundes, der Aggressionsverhalten zeigt, mehr notwendig ist als „eine harte Hand“ und ein selbst erfundener Berufstitel wie „Problemhundetrainer“ ohne entsprechende Ausbildung im Hintergrund.

    Eine umfassende Beurteilung des Verhaltens durch einen qualifizierten (!!!) Hundetrainer oder einen Hundeverhaltensberater ist essentiell, um die Ursachen der Aggression zu identifizieren und einen geeigneten Trainings- und Verhaltensplan zu entwickeln. Es benötigt vor allem Verstehen von Bedürfnissen sowie Motivationen für Verhalten, Einbeziehung von bisherigen Lernerfahrungen und genetischer Veranlagung, Beurteilung von Vorerfahrungen und möglicher Traumata sowie das Wissen über die negativen Auswirkungen von strafbasiertem Umgang und aversiven Trainingsmethoden. In einigen Fällen ist sogar die Zusammenarbeit mit einem Verhaltensmediziner notwendig – einerseits für die Ursachenforschung und andererseits für die weiterführende Behandlung. Das erklärt nun sicher auch, warum sich derartige Verhaltensauffälligkeiten nicht in ein paar wenigen Trainingsstunden löschen lassen.

    Gewalt ist niemals die Lösung für Probleme

    Weder bei Mensch noch Tier

    Ich kann leider die Hundewelt nicht alleine verändern. Es wird immer Angebote von aversiv arbeitenden Hundetrainern geben, und auch von Trainern, die null Wissen haben – denn leider ist es in Österreich möglich, ohne jegliche Qualifikation sein Hundetrainer-Gewerbe zu eröffnen. Es wird immer Menschen geben, die ihren Hund mit Strafe erziehen wollen. Aber der Großteil der Hundehalter, die ich kennenlerne, weiß noch gar nicht, dass es seit einigen Jahrzehnten auch einen fairen, respektvollen und gewaltfreien Umgang mit Hund gibt, der sogar wissenschaftlich erforscht ist. Und bei jedem Hund funktioniert – egal ob Problemhund, Tierschutzhund, unkastrierter Rüde oder Herdenschutzhund.

    Die Stigmatisierung von Hunden als „Problemhunde“ aufgrund von Aggressionsverhalten ist demnach nicht gerechtfertigt. Es ist unsere Aufgabe, ihre wahren Bedürfnisse zu verstehen und ihnen mit einem gewaltfreien Ansatz zu begegnen. Gerade bei Auftreten von Problemverhalten, bei Sozialisierung oder bei traumatisierten Hunden reichen Meinung, veraltete Theorien und ein bisschen YouTube einfach bei Weitem nicht aus. Bei der Therapie eines traumatisierten Menschen würdest du auch nicht zur xsundn Watschn raten, oder? Warum dann beim Hund? Warum?!

    In diesem Sinne:
    Stay happy & vor allem gewaltfrei!

    Lesetipp:  Happy, der Problemhund, ist also kein Problem. Sondern er hat eines.  Oder mehrere. Und diese Probleme, von Menschen in seinem vorigen Lebensjahren verursacht, lassen ihn heute so sensibel und panisch auf Umweltreize reagieren. Mehr zu Happy und seiner Geschichte findest du hier: Hallo, ich bin Happy

    Daniela Loibl MBA MSc

    Daniela Loibl MBA MSc

    • staatlich geprüfte tierschutzqualifizierte Hundetrainerin
    • Hundeverhaltensberaterin iA
    • verhaltensmedizinische Tierpsychologin iA
    • zertifizierte Hunde-Ernährungsberaterin
    • ehrenamtliche Hundetrainerin im Tierheim
    • Buchautorin “Fred & Otto, Wanderführer für Hunde”

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    Happy, der Problemhund

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    Über Mythen, Gewalt & Möchtegern-Trainer

    Der grausame Fall eines vermeintlichen “Problemhundetrainers”, der im Juni 2023 durch die österreichischen Medien* ging, ist leider kein Einzelfall. Es gibt zahlreiche selbsternannte Hundeexperten – mit oder ohne Ausbildung – die der Meinung sind, dass gewisse Verhaltensweisen nur mit Strafe und Gewalt gelöst werden können.

    Je „schlimmer“ ein unerwünschtes Verhalten, desto „ärger“ muss das Training aussehen. Denn dem Hund muss man mal zeigen, wo der Hammer hängt. Und so trifft es vor allem Hunde, die zu Aggressionsverhalten neigen, eine schwere Vergangenheit hatten, traumatisiert sind oder einer gewissen Rasse angehören – eben die sogenannten „Problemhunde“.

    Doch es gibt ihn nicht, „den Problemhund“. Jedes Verhalten hat einen Grund, wirklich jedes. Und es reicht nicht, den Deckel auf den Kelomat zu drücken, um dieses Verhalten unsichtbar zu machen. Denn damit ist nur dein Problem gelöst, das Problem deines Hundes besteht weiterhin und ist wahrscheinlich sogar größer geworden – nur siehst du es nicht mehr. Man muss an der Ursache arbeiten – und das ist bei einem Leinenrambo eine andere als bei einem traumatisierten Hund.

    Lies hierzu gerne meine Artikel: Hundeverhalten verstehen (wollen) und Achtung! Leinenrambo!

    Mein Happy Dog ist auch ein “Problemhund”. Ja, du hast richtig gelesen. Eine Hundetrainerin hat einen Problemhund. Ja, ist die denn dann überhaupt kompetent, wenn der Kerl nicht erzogen ist???

    Happy (knapp 10 Jahre) ist ein Hund, der von Welpe an über Jahre hinweg sehr viel Gewalt erfahren hat, jahrelang isoliert und an der Kette gelebt hat, traumatisiert ist und dann noch 2 Jahre im Tierheim absitzen musste, bevor er zu mir kam. Und so einem Hund wieder das Vertrauen ins Leben zurückzugeben, ist ein ganzes Stück Arbeit. Wahrscheinlich sein restliches Hundeleben lang. Happy kann nichts dafür, dass der Mensch ihn damals an seine Belastungsgrenze gebracht hat. Seine heutigen Probleme und Verhaltensweisen sind nur eine Konsequenz davon. Eine Konsequenz von gewaltsamem Umgang mit ihm.

    Der Spruch “Die Zeit heilt alle Wunden” trifft auf ihn wohl besonders zu – 7 Jahre blöde Erfahrungen lassen sich nicht einfach mit ein paar Trainingseinheiten löschen und schon gar nicht mit welchen, wo wir ihn mit Wasser bespritzen, ihm irgendetwas hinterher werfen, ihm am Halsband die Luft abschneiden oder ihn zu Boden drücken.

    Mehr über Happy & seine Geschichte findest du hier: Hallo, ich bin Happy! 

    Es gibt ihn nicht, DEN Problemhund

    Verhalten ist individuell & hängt von vielen Faktoren ab

    Damit man einen vermeintlichen „Problemhund“ wieder alltagsfit machen kann, einem traumatisierten Hund wieder Sicherheit und seine Lebensfreude zurückgeben kann, benötigt es vor allem eines: Fundiertes Wissen über Hunde – und zwar wissenschaftlich fundiertes und modernes Wissen. Denn Hundeverhalten hat immer Gründe – und die gilt es herauszufinden. Denn nur dann kann man an der Ursache arbeiten – und zwar langfristig und nachhaltig und vor allem hundefreundlich.

    Alles andere ist reine Symptomunterdrückung – sehr praktisch für den Hundehalter, aber meist sehr unangenehm und oftmals auch schmerzhaft für den Hund. Um eine adäquate Verhaltensanalyes durchführen zu können, benötigt es Fachwissen und Erfahrung – ein Selbstlernkurs auf YouTube oder ein selbst verliehener Titel als „Problehundetrainer“ reichen hier bei weitem nicht aus.

    Und hier beginnt bereits das Problem: In Österreich benötigt man KEINERLEI Qualifikation, um sich Hundetrainer nennen zu dürfen. Ich wiederhole: KEINERLEI. Es ist ein freies Gewerbe, jeder, der Lust & Laune verspürt, kann ab morgen seine Hundeschule eröffnen. Das erklärt vielleicht auch die enormen Qualitätsunterschiede am Markt. Ebenso gibt es keinen Ausbildungsstandard, dh auch wenn dein bevorzugter Trainer “ausgebildet” oder “zertifiziert” ist, solltest du überprüfen, wo und bei wem diese Ausbildung gemacht wurde. Denn auch strafbasiertes Training wird nach wie vor unterrichtet.

    In den modernen Hundewissenschaften weiß man schon lange, dass ein fairer, positiver und vor allem gewaltfreier Umgang mit dem Hund zielführender ist als ein auf Strafen basierendes Training. Und vor allem frei von körperlichen oder psychischen Nebenwirkungen.

    Wir können nur gemeinsam die Hundewelt freundlicher machen, indem wir alle genau hinsehen, wem wir unsere Hunde und ihre Gesundheit anvertrauen. Egal ob Trainer oder Therapeut, in der heutigen Zeit ist es essentiell, beim Umgang mit einem Lebewesen eine fundierte, moderne und anerkannte (!) Ausbildung zu haben. Denn es war noch nie so einfach, sich modernes Wissen anzueignen – und das sind wir als Halter und auch als Trainer unseren Hunden schuldig.

    In diesem Sinne: Stay happy & vor allem gewaltfrei!

    *Quelle Kurier: https://kurier.at/chronik/oesterreich/steirischer-hundetrainer-soll-tiere-gequaelt-haben/402489317

    Daniela Loibl MBA MSc

    Daniela Loibl MBA MSc

    • staatlich geprüfte tierschutzqualifizierte Hundetrainerin
    • Hundeverhaltensberaterin iA
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    Tierschutzhunde verstehen

    Hunde aus dem Auslandstierschutz

    Überfordert und unverstanden

    Die Entscheidung ist gefallen: Ein Hund soll einziehen. Und damit wir mit dem neuen Hund auch gleich die gute Tat verbinden, soll es ein Hund aus dem Ausland sein. Und so erlebe ich es leider viel zu oft, dass Menschen mit der rosaroten Brille zur Tierschutzorga gehen oder Onlineportale durchstöbern und sich einen Auslandshund nach der Optik aussuchen oder „…weil er so arm ist“.  Tierschutz in allen Ehren, aber die Wahl deines Hundes sollte nicht ausschließlich aufgrund Optik oder Mitleid erfolgen. Denn dieser Hund bringt bereits eine Geschichte mit in sein neues zu Hause, die auch sein Verhalten beeinflusst – und darauf solltest du vorbereitet sein. Damit die Freude am neuen Familienmitglied nicht gleich getrübt wird. Oder der Hund beim ersten Fehlverhalten retourgeschickt wird.

    Niemand von uns weiß im Detail, was diese Hunde bereits erlebt haben: Waren sie Straßenhunde, Wachhunde für Haus & Hof, wurden sie zur Jagd eingesetzt oder hingen sie an der Kette, bevor sie in einem Auffanglager oder einer Tötungsstation gelandet sind? Und wie haben sie den Aufenthalt eben dort verkraftet? Wie lange waren sie in diesen Lagern, mussten sie Hunger leiden, sich gegenüber Artgenossen in den überfüllten Zwingern verteidigen oder haben sie Gewalt erfahren? All diese Erfahrungen beeinflussen das Verhalten deines Hundes – mehr oder weniger stark, je nach Persönlichkeit.

    Neben Vorerfahrungen bringen Tierschutzhunde aber auch eine bestimmte Rasseveranlagung mit, dh Eigenschaften, für die die Rasse ursprünglich gezüchtet wurde. Und auch diese müssen berücksichtigt werden, wenn es um die Auswahl des geeigneten Fellfreundes geht. Denn ein Herdenschutzhund hat ganz andere Bedürfnisse als ein Labrador oder ein Windhund. Da es sich im Tierschutz oftmals um Mischlinge handelt, ist es mitunter gar nicht so einfach, die verpaarten Rassen herauszufinden. Beschäftigt man sich jedoch mit Auslandstierschutz, weiß man, welche Rassen in welchen Ländern hauptsächlich vertreten sind und kann anhand des Erscheinungsbildes oft schon eine erste Einschätzung treffen.

    Hunde mit Vergangenheit

    Bereit anzukommen, aber du musst dabei unterstützen

    Meine Erfahrung aus der Verhaltensberatung mit Tierschutzhunden zeigt, dass Adoptionen sehr oft vorschnell und übereilt getroffen werden. Es gibt viele Auslandshunde, die mehr Unterstützung von ihrem Menschen benötigen als die ersten 2-3 Wochen der Eingewöhnung. Es gibt welche, die im Laufe der Zeit Verhaltensweisen entwickeln, auf die man nicht vorbereitet war und das Leben von Hundeeltern massiv auf den Kopf stellen. Und dann eben nicht nur der Hund leidet, weil er sich in seinem neuen Leben nicht zurechtfindet und in seinen Bedürfnissen nicht verstanden wird, sondern auch der Mensch.

    Ich kenne Hunde, die wirken auf den ersten Blick unglaublich brav, fallen überhaupt nicht auf –  sieht man aber genauer hin, erkennt man, dass diesen Hunden oft die Lebensfreude fehlt und sie sich aufgegeben haben. Andere sind so belastet durch vorige Erfahrungen, dass jeder Schritt zur Haustüre Panik auslöst. Und dann gibt es jene, die ihre Überforderung lautstark zum Ausdruck bringen, indem sie Artgenossen an der Leine verbellen oder die Nachbarschaft zusammentrommeln, sobald sie alleine bleiben müssen. Diese Hunde sind nicht undankbar, sondern überfordert. Und benötigen Empathie, Verständnis und Unterstützung.

    Und ja, ich kenne auch viele Tierschutzhunde, die sich völlig problemlos an das neues Leben gewöhnt haben und es in vollen Zügen genießen. Wenn so ein Glückspilz zu dir gefunden hat, dann freue dich darüber, aber sehe es nicht als Selbstverständlichkeit.

    Hast du nun einen Tierschutzhund zu Hause, der mit Alltag und Umwelt sehr gefordert oder sogar überfordert ist, bist zuerst einmal du selber gefordert. Und zwar die Erwartungen, die du an das neue Familienmitglied hattest, zurückzuschrauben. Am besten gegen Null. Jeder von uns – auch ich – hat sich die gemeinsame Zeit mit dem neuen Hund in schönsten Farben ausgemalt. Er soll es von nun an gut haben, alles aufholen, was er bislang versäumt hat und ein lustiger und freundlicher Begleiter sein. Doch manchmal hat das Leben andere Pläne für uns.

    Daniela Loibl unterwegs mit Happy

    Die Sache mit der Dankbarkeit

    ..und warum das nichts mit Erziehung zu tun hat

    Wie mehrfach erwähnt, sind Tierschutzhunde bzw. Second Hand Hunde keine unbeschriebenen Blätter, sie kommen mit einem voll gepackten Rucksack an Erfahrungen und Erlebnissen in ihr neues Leben. Und packen nach und nach aus, wenn sie sich vom ersten Kulturschock erholt haben und beginnen, sich bei dir sicher zu fühlen. Was in der Theorie sehr schön klingt, kann in der Praxis durchaus eine Herausforderung werden. Wenn es sich nämlich um Verhaltensweisen handelt, die so gar nicht in deinen Alltag passen.

    Beispielsweise, wenn der Hund nicht entspannt alleine bleiben kann, es aber aufgrund deiner beruflichen Verpflichtungen eine Notwendigkeit ist. Oder dein Hund andere Menschen gruselig findet, du aber auf den Hundesitter angewiesen bist.

    Ein Angsthund oder ein traumatisierter Hund geht mitunter nicht aus der Haustüre raus, verrichtet sein Geschäft nur drinnen oder nur nachts. Wenn du keinen Garten zur Verfügung hast, kann das auch für dich als Halter ganz schön aufwendig und mühsam werden.

    Der Zuspruch deines Umfeldes “Der muß da einfach durch, dann wird er schon merken, dass ihm nix passiert” ist auch hier leider nur weit verbreitete Meinung und kein modernes Hundewissen – und hilft deinem Hund garantiert nicht, sich in seinem Tempo und angstfrei an unsere Umwelt zu gewöhnen. Im Gegenteil, es verursacht noch mehr Stress und Angst bei deinem Hund. Emotional gesehen ist das kein schöner Zustand und sicher nicht das, was du wolltest, als du ihm versprochen hast, dass er jetzt ein schönes Leben bei dir haben wird.

    Ein Hund, der auf dem Land groß wurde und sich dann mitten in der Stadt wiederfindet, wird sein neues Leben anfangs unter Umständen nicht so toll finden. Es prasseln plötzlich zig neue Reize auf ihn ein, die das Gehirn erst einmal sortieren und verarbeiten muss. Und damit das langsam und entspannt möglich ist, musst du im Alltag darauf achten, deinen Tierschutzhund behutsam mit Neuem vertraut zu  machen – und zwar in seinem Tempo. Die oft empfohlene Reizüberflutung (sog. Flooding) ist auch hier der falsche Weg, zudem tierschutzwidrig und bringt dir keinen entspannten Hund, sondern u.U. einen aggressiven oder emotional gebrochenen Hund – wieder nicht das, was du ihm mit dem schönen Leben versprochen hast.

    Ein Straßenhund, der immer eine Fluchtmöglichkeit hatte und ein selbstbestimmtes Leben führen durfte, wird bei uns durch Wohnungshaltung und die Leine in seiner Handlungsfähigkeit eingeschränkt. Und durch dich und die Regeln in eurem Alltag. Also wieder kein Hund, der dankbar ist, dass du ihn gerettet hast. Sondern ein Hund, der sein gewohntes Umfeld, seine Strukturen und Rituale von einem Tag auf den anderen verloren hat – und aktuell überfordert, verunsichert und frustriert ist. Und Zeit braucht, sich an sein neues Daheim, Leine und Brustgeschirr und andere Alltagsdinge zu gewöhnen.

    Allgemeine Überforderungen zeigen sich oft in unerwünschten Verhaltensweisen wie Leine ziehen, Leinenaggression, Angst vor Umwelt und Mensch, Unsauberkeit, Trennungsstress, exzessiven Verhaltensweisen, etc. Auch, wenn es für einen Außenstehenden wirken mag, als hätte man einen völlig unerzogenen Hund adoptiert, lässt sich das unerwünschte Verhalten mit der klassischen Erziehung a la „Sitz! Platz! Bleib!“ nicht lösen und hat mit dem Begriff Erziehung, wie er allgemein verwendet wird, nichts gemein.

    Ein Umzug bedeutet Stress – für jeden Hund. Der Hund verliert seine vertraute Umgebung, vertraute Menschen und Artgenossen, seine Rituale und Strukturen. Auch, wenn dein Hund vorher kein schönes Leben hatte, es war dennoch SEIN Leben. Und er benötigt Zeit, sich an das neue, bessere Leben gewöhnen zu dürfen. Je mehr du als Hundehalter hier unterstützt und achtsam bist, umso leichter findet sich dein Hund in seinem neuen Leben zurecht. “Step by Step” und nicht “Alles auf einmal” sollte hier dein Motto sein. 

    Daniela Loibl, Zert. Hundetrainer

    Auch mein Alltag hat sich verändert seit Happy bei mir eingezogen ist. Und zwar habe ich diesen für Happy verändert. So, dass er ihn schaffen kann und der Tag für ihn berechenbar ist (Zu Happys Geschichte). Was aber auch bedeutet, dass ich phasenweise zurückstecke, meinen Alltag sehr genau planen muss und trotzdem – oder genau deswegen – dafür sorge, dass der große Schwarze und ich viel Spaß und Freude zusammen haben.

    Gib deinem neuen Hund Zeit, um anzukommen. Habe Verständnis für seine Verhaltensweisen und unterstütze ihn dabei, Sicherheit im Alltag zu bekommen. Bringe Geduld und Empathie mit und hole dir Unterstützung von einem Trainer, der auf die Bedürfnisse des Hundes achtet, dir Verhaltensweisen erklären kann anstatt diese einfach zu unterdrücken und auf jeden Fall gewaltfrei arbeitet. Wenn du gut vorbereitet bist, kannst du selber Druck rausnehmen – und das spürt auch dein Hund. So kann er sich in seinem Tempo an sein neues Leben gewöhnen, Vertrauen zu dir aufbauen und nach und nach sein neues Leben genießen lernen.

    Daniela Loibl MBA MSc

    Daniela Loibl MBA MSc

    • staatlich geprüfte tierschutzqualifizierte Hundetrainerin
    • Hundeverhaltensberaterin iA
    • verhaltensmedizinische Tierpsychologin iA
    • zertifizierte Hunde-Ernährungsberaterin
    • ehrenamtliche Hundetrainerin im Tierheim
    • Buchautorin “Fred & Otto, Wanderführer für Hunde”

    Hundesprechstunde

    Du fragst, ich antworte. Auf alle Fragen, die dir im Zusammenleben, Umgang und Training mit deinem Hund unter den Nägeln brennen. Einfach und umkompliziert über Zoom.

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